15. Februar 2026.
„Denn ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht viel vollkommener sein wird als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, werdet ihr nicht hineinkommen in das Himmelreich.“ (Mt. 5, 20-22a)
Die Bezeichnung „Pharisäer” ist so diskreditiert, dass es für uns schwer zu verstehen ist, was Jesus meinte, als er diesen Vergleich vorbrachte und seine Jünger aufforderte, besser als sie zu sein. Eigentlich waren die Pharisäer damals die religiösesten, aufmerksamsten und treuesten Verteidiger Gottes. Wenn wir einen zeitgenössischen Vergleich vorbringen sollten, würden wir sagen, sie waren die, die täglich zur Messe gingen. Dieser Vergleich ist nicht fair und enthält sogar eine Beleidigung. Aber er hilft uns zu verstehen, dass die Apostel dazu aufgefordert wurden, besser als die besten Juden zu sein. Aber worin besser?
Freilich ging es nicht darum, liturgische Fragen oder rituelle Angelegenheiten (die Sabbatruhe, kulinarische Regeln, die Tempelsteuer, usw.) anspruchsvoller und mit peinlicherer Genauigkeit anzugehen. Jesus wollte, dass das Herz des guten Juden, des Pharisäers, über die ihn einengende Begrenzung hinauswuchs. Bestimmt konnten die Apostel das erst zu Christi Lebensende richtig verstehen (als er ihnen, beim letzten Abendmahl, das neue Gebot übermittelte) und vor allem, nachdem der Heilige Geist über sie gekommen war. Aber dann waren sie schon in der Lage, etwas von dem, was der Herr sie lehren wollte, zu erfassen. Jesus ging es darum, sich nicht damit zufriedenzugeben, dass man das Böse unterlässt oder die Gesetze einhält. Er forderte seine Nachfolger vielmehr dazu auf, darüber hinauszugehen, so viel Gutes wie möglich zu tun und sich erst zufriedenzugeben, wenn sie ihrem Nächsten mit ihrer ganzen Kraft geholfen hatten. Was Christus forderte und fordert, ist nicht unmöglich. Er fordert uns nur zur Liebe auf. Und die Liebe beginnt dort, wo nichts Böses getan wird, und wird fortgesetzt, indem man Gutes tut. So wie er es tat.
Vorsatz: Finde dich nicht damit ab, dass du nichts Böses tust! Prüfe dein Gewissen auf Unterlassungssünden, auf das Gute hin, dass du hättest tun können und aus Bequemlichkeit unterlassen hast!

