30. Sonntag im Jahreskreis: Ein einziges Gebot

P. Santiago Martín

25. Oktober 2026.

„Er antwortete ihm: ‚>Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen, deiner ganzen Seele und deinem ganzen Denken< (Dt. 6, 5). Dies ist das größte und erste Gebot. Das zweite ist ihm gleich: >Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst< (Lev. 19, 18). An diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten‘.“  (Mt.  22, 36-40)

Beide Sittengesetze -das gesamte alte jüdische und das gesamte neue christliche- fasst Jesus in einer Weisung, in einem Gebot zusammen: dem der Liebe. Einer Liebe, die unbedingt zwei Dimensionen haben muss: die vertikal zu Gott und die horizontal auf den Nächsten gerichtete. Die christliche Liebe muss daher sowohl eine religiös motivierte sein -für dich, Herr, will ich die Dinge tun- als auch eine Liebe voller konkreter notwendiger Werke und Praktiken.

Aber in diesem Abschnitt des Evangeliums sagt der Herr etwas anderes: setze Prioritäten! Er spricht von einem „ersten“ und einem „zweiten“ Gebot. Beide sind notwendig und unverzichtbar. Aber ohne das erste wäre das zweite nicht vorhanden, obwohl das erste ohne das zweite inhaltslos bliebe, wie ein Projekt, das am Ende nicht ausgeführt wird. Daher ist die spirituelle Motivation als Ausgangspunkt unabdingbar. Dafür sind die Praktiken erforderlich, die sie verstärken: das persönliche Gebet und die Sakramente. Danach oder daneben ist auch die Verwandlung dieser im Gebet empfangenen geistigen Fracht in Leben und in Werke unverzichtbar. In unserer Zeit versagt beides: die geistliche Motivation und in der Folge unvermeidlich die konkreten Werke. Beginnen wir am Anfang, mit dem Begießen der Pflanze! Und fordern wir danach von ihr, dass sie Früchte bringt!

Vorsatz: Liebe immer und tue nur das! Aber liebe, indem du jeweils das tust, was du zum konkreten Zeitpunkt zu tun hast! Finde Zeit zum Beten und für gute Werke, zu beidem aus Liebe!

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