32. Sonntag: Liebe ist nicht übertragbar

P. Santiago Martín

8. November 2026.

„Dann wird das Himmelreich zehn Jungfrauen gleich sein, die ihre Lampen nahmen und sich aufmachten zur Begegnung mit dem Bräutigam. Fünf von ihnen waren töricht und fünf klug. Denn die törichten nahmen zwar ihre Lampen mit sich, aber kein Öl, die klugen hingegen nahmen Öl in den Gefäßen mit sich, zusammen mit ihren Lampen.“ (Mt 25, 1-3)

In der Stunde unseres Todes werden wir hinsichtlich der Liebe und nur hinsichtlich der Liebe geprüft werden. Diese Tatsache vergessen wir oft. Einige, weil sie vielleicht denken, sie können beruhigt sein, da es andere Dinge gibt, die sie mehr oder weniger gut erledigen, wie zum Beispiel den Kirchgang. Andere, die denken, dass es nicht an Leuten fehlt, die für sie eintreten, vielleicht Mitglieder der eigenen Familie, die schon eine enge und echte Beziehung zu Gott leben. Es gibt sogar solche -von mal zu mal mehr-, die glauben, dass der Himmel, wenn er existiert, allen offensteht, unabhängig von ihren Werken. Jedoch ist keine dieser drei Haltungen die richtige. Denn selbst wenn wir Freunde, Kinder oder Geschwister von Heiligen wären, müsste jeder von uns Gott Rechenschaft ablegen für seine Werke. Gott wird uns richten -barmherzig, aber er wird uns richten- durch unsere eigenen Werke. Darüber hinaus werden die empfangenen guten Beispiele  gegen uns verwendet werden. Denn wir wären auch ohne sie in der Lage gewesen, diejenigen nachzuahmen, die uns Vorbild gewesen sind. Das Wort des Lebens in dieser Woche lädt uns daher ein, diese guten Beispiele zu analysieren und zu prüfen, ob wir unseren Vorbildern das Wasser reichen können. Wären unsere Eltern stolz darauf, wie wir unseren Glauben leben? Sie hatten ihre eigenen Probleme, vielleicht schwerere als wir, und dennoch legten sie ein vorbildliches Verhalten an den Tag. Und wir? Das Gleiche kann man bezüglich der Zugehörigkeit zu einer Bewegung, Gruppe oder Gemeinde feststellen. Nutzen wir die Gaben, die uns gegeben werden? Sind wir uns dessen bewusst, dass andere nicht unsere Möglichkeiten hatten und vielleicht bessere Ergebnisse erzielen?

Vorsatz: Wenn du ein gutes Beispiel siehst, denke, dass du es nachahmen musst. Wenn du ein schlechtes siehst, urteile nicht, weil du nicht weißt, was dahinter steckt. Im Hinblick auf die Gaben, die du erhalten hast, leiste, was du kannst.

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