10. Mai 2026.
„Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt. Wer aber mich liebt, wird geliebt werden von meinem Vater, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.“ (Joh. 14, 21)
Der Heilige Anselm, einer der großen christlichen Denker des Mittelalters, prägte einen Satz, der die Haltung des Gläubigen auf der Suche nach der Wahrheit und beim Studium der Philosophie ziemlich gut zusammenfasst: „Glauben, um zu verstehen“. Nach dem Heiligen Anselm öffnet der Glaube unserer Intelligenz neue Horizonte; unsere Vernunft empfängt, wenn sie ihre Grenzen erreicht, die Hilfe des Glaubens und kann so nach neuen Perspektiven spähen.
Das ist jedoch nicht genug, denn der Mensch ist nicht nur Verstand, nicht nur Intelligenz. Oder besser gesagt gibt es eine Weisheit, die man anders als durch Studium und Reflexion erwirbt. Es ist die Weisheit des Herzens. Jene, von der Pascal sagte: „Das Herz hat Gründe, die der Verstand ignoriert“. Es handelt sich darum, über beide Quellen des Wissens zu verfügen, den Verstand und das Herz, das heißt, die Liebe. Es ist die Liebe, die uns bestimmte Dinge verstehen oder zumindest akzeptieren lässt. So hat es Jesus gelehrt, als er sagte: „Dem, der mich liebt … werde ich mich offenbaren.“ Er sagte nicht: „Dem, der an mich denkt…“ oder nicht einmal „Dem, der an mich glaubt…“ -obwohl der Glaube ja schon eine Form der Liebe darstellt-. Es ist nötig, Jesus zu lieben, um Ihn ganz zu verstehen, ebenso wie eine Mutter ihr Kind besser versteht als jeder andere, eben weil sie es liebt. Daher liebe und du wirst verstehen!
So fordert uns das „Lebenswort“ dieser Woche dazu auf, vollständige Menschen zu sein, die nicht nur einen Teil ihrer Eigenschaften oder Fähigkeiten nutzen. Es fordert uns auf, den Kopf zu benutzen, aber auch das Herz. Es fordert uns auf zu lieben, in dem Wissen, dass die Liebe die Tür zum Glauben darstellt, die Tür zum Verständnis für die göttlichen und die menschlichen Dinge. Wenn wir lieben, und nur wenn wir lieben, erkennen wir die Weisheit der Kirche und den Grund dafür, dass sie bestimmte Dinge anordnet und andere verbietet.
Vorsatz: Wenn du am Glauben oder an jemandem zweifelst, dann liebe! Die Liebe öffnet dir die Tür zum Licht. Verschließe dich nicht, weil du meinst, dass du nur dann liebst, wenn du siehst! Liebe und du wirst sehen!

